Antizyklisches Handeln erfordert Mut
Antizyklisches Handeln erfordert Mut
Michael Schmidt, geschäftsführender Gesellschafter der 3SI Immogroup spricht im Interview über aktuelle Chancen, Führung in herausfordernden Zeiten und was er in den Boomjahren rückblickend anders gemacht hätte.
Antizyklisches Handeln erfordert Mut
Michael Schmidt, geschäftsführender Gesellschafter der 3SI Immogroup spricht im Interview über aktuelle Chancen, Führung in herausfordernden Zeiten und was er in den Boomjahren rückblickend anders gemacht hätte.
In herausfordernden Zeiten ist Führung besonders wichtig
Immobilien Magazin: Die Immobilienbranche hat bereit eine lange Durststrecke hinter sich. Ist das für Sie noch eine vorübergehende Phase – oder sehen Sie bereits eine strukturelle Veränderung des Marktes?
Ich sehe ganz klar beides. Natürlich war die letzte Zeit von externen Faktoren geprägt, wie Zinsentwicklung, regulatorische Eingriffe und allgemeine wirtschaftliche Unsicherheit. Das sind Zyklen, die wir aus der Immobilienbranche kennen. Gleichzeitig erkennen wir aber auch strukturelle Veränderungen, insbesondere im Finanzierungsumfeld und im Anspruch an Qualität und Nachhaltigkeit. Der Markt wird selektiver, sowohl auf Käufer- als auch auf Entwicklerseite. Projekte müssen heute noch durchdachter, effizienter und langfristig tragfähig sein.
Wie hat sich die 3SI Immogroup an die Veränderungen angepasst, um handlungsfähig zu bleiben?
Wir haben schon sehr früh entschieden, konsequent an unserer Strategie festzuhalten: weiter investieren, weiter bauen und gleichzeitig unsere Prozesse laufend optimieren. Ein entscheidender Vorteil war, dass wir unsere Projekte auch während der schwierigeren Marktphase weiterentwickelt und fertiggestellt haben. Dadurch konnten wir genau dann Wohnungen anbieten, als die Nachfrage wieder spürbar angezogen hat. Da gibt uns zum Glück auch der Erlog recht: Wir haben im Jahr 2025 mit über 300 verkauften Wohnungen ein absolutes Rekordjahr erreicht und wir gehen davon aus, dieses Ergebnis 2026 nochmals zu übertreffen. Gleichzeitig haben wir unseren Fokus noch stärker auf Qualität, Lage und nachhaltige Entwicklung gelegt. Das bedeutet auch, sehr bewusst einzukaufen und Projekte mit klarem Mehrwert umzusetzen. Diese Kombination aus Kontinuität und Anpassungsfähigkeit hat uns handlungsfähig gehalten.
Wie gehen Sie intern mit Unsicherheit um? Verändert sich Führung in einer solchen Marktphase spürbar?
Gerade in herausfordernden Zeiten ist Führung besonders wichtig. Für mich bedeutet das vor allem, klare Orientierung zu geben, Entscheidungen zu treffen und gleichzeitig Vertrauen im Team zu stärken. Transparenz spielt dabei eine große Rolle. Unsere Mitarbeiter sollen verstehen, warum wir bestimmte Schritte setzen. Gleichzeitig braucht es auch Mut, Dinge weiter voranzutreiben, wenn andere abwarten. Wir setzen stark auf Erfahrung im Unternehmen, auf eingespielte Teams und auf einen offenen Austausch. Ich bin überzeugt, wenn die Strategie stimmt und das Team dahintersteht, kann man auch durch schwierige Marktphasen sehr erfolgreich gehen.
Welche Entscheidungen aus der Boomphase würden Sie rückblickend anders machen?
Rückblickend würde ich sagen: weniger Tempo, noch mehr Selektivität. In der Boomphase war der Markt sehr dynamisch, viele Entscheidungen mussten schnell getroffen werden. Wir haben zwar immer auf Qualität geachtet, aber im Nachhinein zeigt sich, dass es sich noch stärker auszahlt, konsequent nur auf die besten Lagen und Projekte zu setzen. Der Markt verzeiht in guten Zeiten vieles, in schwierigeren Phasen trennt sich dann sehr klar die Spreu vom Weizen. Gleichzeitig haben wir in den vergangenen Jahren so viel gebaut wie noch nie zuvor. Seit 2022 haben wir eine außergewöhnlich hohe Anzahl an Projekten realisiert und verfügen über eine sehr gut gefüllte Pipeline. Aktuell starten wir nahezu monatlich neue Baustellen.
Die Preise für Wiener Zinshäuser, insbesondere in Zweitlagen, sind in den vergangen Jahren stark gefallen. Sehen Sie die Entwicklung als Chance für Investitionen?
Ja, absolut! Gerade jetzt entstehen wieder Einstiegsmöglichkeiten, die es in dieser Form lange nicht gegeben hat. Wichtig ist aber, genau hinzusehen. Nicht jede Lage und nicht jedes Objekt ist automatisch interessant. Wir konzentrieren uns klar auf innerstädtische Lagen und Objekte mit Entwicklungspotenzial. Dort sehen wir langfristig nach wie vor eine sehr stabile Nachfrage.
Wie viel Mut – oder vielleicht auch Risiko – steckt in der Strategie antizyklisch zu kaufen?
Antizyklisches Handeln erfordert sicherlich Mut, aber vor allem Erfahrung und Überzeugung. Für uns ist das kein kurzfristiges Risiko, sondern eine langfristige Strategie. Immobilienzyklen gehören zur Branche dazu, und genau in Phasen wie diesen entstehen die besten Chancen. Entscheidend ist, dass man die richtigen Objekte auswählt und die Projekte solide durchrechnet.
Warum schlagen dann nicht viel mehr Investoren zu? Was hält den Markt zurück?
Viele Marktteilnehmer sind aktuell sehr vorsichtig, vor allem aufgrund der Finanzierungssituation und der allgemeinen Unsicherheit. Banken sind restriktiver geworden, und gleichzeitig fehlt vielen Investoren die Planungssicherheit. Dazu kommt, dass antizyklisches Handeln nicht für jeden einfach ist, denn es braucht Vertrauen in den Markt und die eigene Strategie. Genau hier sehen wir unseren Vorteil.
Wenn wir ein Jahr nach vorne blicken: Was müsste passieren, damit Sie sagen, der Markt hat die Talsohle wirklich durchschritten?
Ich glaube, entscheidend ist Stabilität. Insbesondere bei den Zinsen und im regulatorischen Umfeld. Sobald hier mehr Klarheit herrscht, wird sich auch das Vertrauen im Markt deutlich verbessern. Erste Signale sehen wir bereits, vor allem auf der Nachfrageseite. Wenn sich diese Entwicklung fortsetzt, bin ich überzeugt, dass wir die Talsohle Schritt für Schritt hinter uns lassen.
In Interviews wirken Sie sehr optimistisch trotz Krise. Ist das echte Überzeugung – oder braucht es diesen Optimismus als Unternehmer gerade einfach?
Das ist echte Überzeugung. Natürlich muss man als Unternehmer auch Zuversicht ausstrahlen, aber diese basiert bei mir auf Erfahrung. Ich habe mehrere Marktzyklen miterlebt, und jede Phase hatte ihre Herausforderungen, aber auch ihre Chancen. Entscheidend ist, wie man damit umgeht. Wir bei der 3SI Immogroup sehen uns langfristig aufgestellt und sind überzeugt, dass gerade jetzt die Grundlage für zukünftigen Erfolg gelegt wird.
Die Originalversion dieses Artikels wurde von Stefan Posch geschrieben und im Immobilien Magazin am 04.05.2026 publiziert.
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