Zinshäuser sind stark unterbewertet
Zinshäuser sind stark unterbewertet
Michael Schmidts 3SI Immogroup hat im Vorjahr so viele Wohnungen wie noch nie verkauft. Die gesunkenen Preise für Zinshäuser sieht er als Chance für sein Unternehmen. Erfolgsmeldungen von Immobilienunternehmen waren zuletzt rar. Doch die 3SI Immogroup ließ zum Jahreswechsel mit einem Verkaufsrekord aufhorchen.
Zinshäuser sind stark unterbewertet
Michael Schmidts 3SI Immogroup hat im Vorjahr so viele Wohnungen wie noch nie verkauft. Die gesunkenen Preise für Zinshäuser sieht er als Chance für sein Unternehmen. Erfolgsmeldungen von Immobilienunternehmen waren zuletzt rar. Doch die 3SI Immogroup, einer der größten privaten Player am Wiener Immobilienmarkt, ließ zum Jahreswechsel mit einem Verkaufsrekord aufhorchen.
„Wir haben die niedrigen Zinsen 2022 rechtzeitig abgesichert. Das hat uns sehr geholfen.“
GEWINN: Sie haben 2025 über 300 Eigentumswohnungen verkauft, sowohl sanierte Altbauten als auch Neubauwohnungen. 2024 waren es erst 180, auch damals ein Rekord. Warum sind Ihre Verkäufe nicht eingebrochen?
Schmidt: Die vergangenen Jahre waren auch für uns nicht einfach. 2023 war das schwierigste Jahr, aber selbst da haben wir mit großen Anstrengungen 100 Wohnungen verkauft. Entscheidend für unseren jetzigen Verkaufserfolg ist, dass wir auch in der Krise weiter saniert und gebaut haben, während fast alle anderen neue Projekte gestoppt haben. Wir können nun so viele Wohnungen wie noch nie zuvor anbieten, und das macht sich bezahlt. Unsere Stärke ist, dass der Großteil unseres Angebots, aktuell rund 800 Wohnungen, bereits fertig ist. Das ist der große Unterschied zum restlichen Markt. Beim Verkauf von fertigen Wohnungen bekommen wir nicht nur eine Anzahlung, sondern sofort den vollen Kaufpreis und damit neue Liquidität.
GEWINN: Ist die Zahl der verkauften Wohnungen gestiegen, während die Preise gesunken sind?
Schmidt: Nein, wenn wir nur die Neubauprojekte in Wien hernehmen, waren wir 2025 bei Quadratmeterpreisen von 7.900 Euro. Das ist um ca. 200 bis 300 Euro höher als noch 2024. Wenn wir den durchschnittlichen Gesamtpreis betrachten, kosten alle verkauften Einheiten zwischen 600.000 und 650.000 Euro. Da ist aber die topsanierte große Wohnung im Altbau genauso dabei wie die kleine Starterwohnung. Circa 70 Prozent unserer Verkäufe sind generalsanierte Altbauwohnungen, 30 Prozent Neubauten.
GEWINN: Sie verkaufen in Einzelfällen auch unsanierte Altbauwohnungen. Wie viel kann ich mir sparen, wenn ich handwerklich begabt bin und die Sanierung selbst übernehme?
Schmidt: Wir bieten das in manchen Häusern an. Damit kann ich mir rund 40 Prozent sparen. So kostet eine unsanierte Wohnung in guten Lagen wie dem dritten Bezirk z.B. 4.200 Euro pro Quadratmeter, saniert aber 7.500 Euro. Durch den geringeren Kaufpreis sinkt auch die Berechnungsbasis für Grunderwerbsteuer und Grundbucheintragungsgebühr.
GEWINN: Während die Wohnungspreise kaum gesunken oder für Neubauten sogar leicht gestiegen sind, gab es bei vielen Zinshäusern einen starken Preisrückgang. Wie passt das zusammen?
Schmidt: Gar nicht. Die Preise passen nicht mehr zusammen. Zinshäuser sind im Vergleich zu Eigentumswohnungen stark unterbewertet, wie es für sie in den schwierigen Jahren kaum Käufer gab. Für uns ergibt das Chancen. Wenn ich z. B. ein Zinshaus innerstädtisch um 3.000 Euro pro Quadratmeter einkaufe, kann ich die einzelnen Wohnungen nach einer hochwertigen Sanierung um 8.000 Euro und mehr weiterverkaufen.
GEWINN: Das klingt nach einem guten Geschäft.
Schmidt: Deshalb bin ich ja so euphorisch für unser Unternehmen. Wahrscheinlich war ein Zinshaus im Vergleich zu einer Eigentumswohnung pro Quadratmeter noch nie so billig wie heute. Selbst in Bestlagen. Wir kaufen jetzt deutlich günstiger ein als noch vor wenigen Jahren. Wir haben im Vorjahr 14 ganze Zinshäuser und Zinshausanteile im Wert von rund 100 Millionen Euro gekauft. Die Preise lagen unter 3.000 Euro pro Quadratmeter. Die meisten Wohnungen in diesen Häusern werden wir sanieren und als Eigentumswohnungen abverkaufen.
GEWINN: Die Bauträgerbranche hat seit dem Ende des Immobilienbooms 2022 eine historische Marktbereinigung erlebt. Die Insolvenzwelle dürfte noch nicht vorbei sein. Haben Sie davon profitiert, dass viel Konkurrenz weggefallen ist?
Schmidt: Ich würde weniger von einer Insolvenzwelle sprechen als von einer Bauflaute. Auch die noch existierenden großen Entwickler haben keine neuen Projekte mehr angefangen. Das spielt uns natürlich in die Karten. Auf den Internetplattformen werden zwar viele neue Wohnungen angeboten, aber die meisten Häuser existieren nur am Plan. Wenn bei einem Projekt noch nicht einmal der Bagger am Grundstück steht, ist das für mich keine Konkurrenz. Die Kunden, die jetzt kaufen, wollen innerhalb von sechs Monaten in ihre Wohnung einziehen.
GEWINN: Wie viele Wohnungen werden Sie heuer fertigstellen?
Schmidt: Heuer werden 250 bis 300 Wohnungen fertig, das ist wie immer bei uns eine Mischung aus generalsanierten Altbauten und neu errichteten Häusern. Wir suchen auch weiter Grundstücke für Neubauprojekte. Wir wollen dort aber keine Nullachtfünfzehn-Schuhschachteln hinstellen, sondern Projekte, mit denen wir uns vom Markt abheben. Wir gehen im Neubau auch in die Flächenbezirke, dort aber nur in ausgewählte Top-Mikrolagen. Wir bauen z. B. ,,Am Spitz" im Zentrum von Floridsdorf. Wir würden aber nicht weit draußen an der Stadtgrenze im 22. Bezirk Richtung Gänserndorf Hunderte Wohnungen aus dem Boden stampfen, auch wenn Wohnraum in Wien knapp wird. Das wird noch länger dauern, bis diese Lagen wieder gut funktionieren.
GEWINN: Auf Rückenwind durchfallende Zinsen kann man kaum mehr hoffen. Können Sie mit dem aktuellen Zinsniveau leben?
Schmidt: Ich halte das für ein normales Zinsniveau. Wir sind bei privaten Wohnungskäufern wieder unter drei Prozent für Immobilienkredite. Als Unternehmen haben wir die niedrigen Zinsen 2022 rechtzeitig abgesichert. Das hat uns sehr geholfen. Die Zinssicherungen laufen jetzt aus. Ich war vorsichtig, da ich bereits 2008 Zeiten sehr hoher Zinsen erlebt habe. Das haben die meisten schon vergessen, aber damals musste man kurzfristig als Bauträger sieben Prozent Zinsen zahlen.
GEWINN: Wo kaufen Sie aktuell Zinshäuser zu? Bei welchen Lagen erwarten Sie eine überdurchschnittliche Entwicklung?
Schmidt: Überdurchschnittlich entwickeln werden sich meiner Meinung nach die Bezirke vier, sechs, sieben, acht und neun, z.B. das Servitenviertel. Auch den Zwölften finde ich fantastisch, obwohl man dort auf die Mikrolage achten muss. Auch im 14. Bezirk muss man genau auf die Mikrolage schauen. Sehr spannend ist auch der 17. Bezirk, der preislich zum 18. aufschließt.
Familienbetrieb mit 3.000 Wohnungen
Der Schriftzug 3SI leuchtet in Wien von vielen Hausdächern. Wer durch die Kärntner Straße bummelt, kennt den Firmennamen vielleicht auch vom prominenten Showroom für Luxusimmobilien, der im Vorjahr nahe dem Hotel Sacher eröffnete. 3SI steht für die drei Firmeninhaber der Familie Schmidt: Michael, Bruder Claus und Vater Harald. Mit dem Immobiliengeschäft startete der Vater bereits in den 1980er-Jahren mit dem Kauf von Wohnungen. Im Jahr 2000 erfolgte der erste Zinshauskauf. Kurz darauf stieg HTL-Absolvent Michael ein. Heute besitzt das Unternehmen über 3.000 Wohnungen, die sich an 250 Adressen befinden. Der größte Teil des Portfolios liegt in Wien. Kleinere Zukäufe erfolgten in der Vergangenheit in Landeshauptstädten wie Graz und Salzburg. Schmidt kann sich weitere Zinshäuser in Salzburg vorstellen, in Graz plant er aufgrund des großen Angebots und der relativ niedrigen Mieten aktuell keine weiteren Käufe. Zusätzlich zum Zinshausgeschäft schuf sich 3SI im Jahr 2016 mit der Errichtung und dem Verkauf von Neubauwohnungen in Wien ein zweites Standbein.
Foto: © 3SI Immogroup