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3SI NEWS

Zinshausmarkt 2019 und Ausblick 2020

Zinshausexperte Ing. Michael Schmidt, Geschäftsführer der 3SI Immogroup, lässt im Interview das Jahr 2019 Revue passieren. Er spricht über die Preisentwicklung am Wiener Zinshausmarkt, rückgängigen Zinshausabbrüchen und gibt einen kurzen Ausblick auf die Enwicklungen im Jahr 2020.

Wie hat sich der Zinshausmarkt heuer entwickelt?

 Michael Schmidt:  Es hat besonders im zweiten Halbjahr nochmals einen deutlichen Preisschub nach oben gegeben. Die Gründe dafür sind vielfältig: Zum einen ist kein Anstieg der Zinsen in naher Zukunft zu erwarten. Auf der anderen Seite sorgten einige Paketverkäufe für zusätzliche Dynamik – es hat aber auch einige Bieterverfahren gegeben, die nicht funktioniert haben und wo die Verkäufer auf ihren Häusern sitzengeblieben sind. Es geht also nicht alles.

 

Das heißt, die Preise sind auch heuer gestiegen?

 Michael Schmidt:  Im Grunde sehen wir zwei große Entwicklungen: Zinshäuser in sehr guten Lagen und sehr gutem Zustand, also die echten Schmuckstücke, legen teilweise atemberaubende Preisrallyes hin. Da gibt es Zinshäuser, deren Preis alleine seit dem Sommer um zehn oder mehr Prozent gestiegen sind! Andere, weniger tolle Häuser bekommen wir mitunter schon zum zehnten Mal angeboten und es will sie noch immer keiner kaufen. Die Frage, ob die Preise immer nur weiter steigen, ist also mit ja und nein zu beantworten. Ja, wenn es wirklich schöne Häuser sind, nein, wenn es sich um normale Stücke handelt.

 

Von welchen Preisen reden wir inzwischen?

 Michael Schmidt:  Naja, in den letzten zehn Jahren hat sich der Preis für ein durchschnittliches Zinshaus mehr als verdoppelt! Wir reden hier von einem Preisanstieg über die letzten zehn Jahre von unglaublichen 160 Prozent. Die Mieten haben sich im selben Zeitraum aber nur um knapp 60 Prozent erhöht. Zinshäuser sind damit als Geldanlage für private Einzelkäufer deutlich uninteressant geworden. Eigentlich können bei diesen Preisen nur mehr die Profis mithalten. Deshalb sinkt auch die Zahl der Zinshausverkäufe insgesamt. Heuer werden pro Jahr nur mehr halb so viele Zinshäuser verkauft wie noch vor fünf Jahren. Dafür aber fast doppelt so teuer. Das ist schon ein wenig verrückt.

 

Ein Zinshaus ist also angesichts der niedrigen Zinsen keine Investitionsalternative?

 Michael Schmidt:  Also aus Sicht der Rendite nicht wirklich. Die durchschnittliche Rendite bei einem Zinshaus liegt derzeit bei etwa 2,3 %. Das ist höher als die Zinsen, allerdings müssen Sie eines bedenken: Es steckt viel Arbeit dahinter und Sie müssen irgendwann auch wieder investieren – in die Fassade, ein neues Dach, etc. Wir haben ein aktuelles Projekt in der Skodagasse im 8. Bezirk in sehr guter Lage. Alleine die Baukosten für die Generalsanierung und einen DG-Ausbau belaufen sich auf 15 Millionen Euro!

 

Um Zinshausabbrüche ist es wieder ruhig geworden. Ist das noch ein Thema?

 Michael Schmidt:  Für uns ist Abriss nie ein Thema. Die strukturierte Fassade und die hohen Räume eines Zinshauses bieten ein unglaubliches Flair beim Wohnen. Natürlich gibt es extreme Ausnahmen, wenn es wirklich nicht anders geht. Aber nach meiner Beobachtung ist der Abriss-Wahnsinn stark eingedämmt worden.

 

Welche Entwicklungen erwarten Sie für 2020 am Zinshausmarkt?

 Michael Schmidt:  Ich fürchte, die Preise werden sich auch 2020 nicht stabilisieren. Es wird weiter nach oben gehen. Allerdings geht nicht mehr viel, denn Sie müssen eines bedenken: Die Renditen werden immer geringer und irgendwo muss es sich ja für den Investor rechnen. Klar ist: Wien wächst und wir benötigen mehr Wohnungen. Angesichts der Preisentwicklungen sowohl bei Zinshäusern als auch bei den Baukosten im Neubau werden Wohnungen auf absehbare Zeit nicht günstiger werden. Trotzdem sind und bleiben Wohnungen für eine Familie sicherlich die sinnvollste Investition in die Zukunft.